Mindestlohn – zwei Probleme – eine Lösung

Der Mindestlohn ist beschlossen. Sogar für bestehende Verträge.

Müssen wir jetzt alle Praktikanten und weniger produktiven Arbeitskräfte vor die Tür setzen?

Wer hier mit Volkswirtschaftsjargon wie Grenzkosten und Grenznutzen um sich schmeißt, wird wohl zumeist nicken müssen. Klar, Talente sollen früh an ein Unternehmen gebunden werden, das ist sicherlich einzupreisen. Doch die Auswahl der Praktikanten wird selektiver und die Anzahl der Praktikantenstellen wird sinken.

Also gibt es zwei Probleme, wenn weniger Praktikanten in deutschen Unternehmen aktiv sind:

  • Wie wird die Arbeit nun erledigt, die Praktikanten übernommen haben?
  • Wie werden Talente vor der Konkurrenz entdeckt?

Wer hier erwidert, dass sich die erste Frage erübrigt, da Praktikanten keine signifikante Produktivität aufweisen soll, da er keine Festanstellung ersetzen darf, der halte inne. Was tauschen Unternehmen und Praktikant dann aus, wenn keine “richtige” Arbeit erbracht werden soll?

Wenn das Unternehmen keinen Anspruch auf Arbeitsleistung von Praktikanten hat, dann hat sicherlich der Praktikant auch keinen Anspruch auf Lohn, oder doch?

Wir sind gespannt, was passieren wird. In der Zwischenzeit können sich alle jene Unternehmen, die Lösungen für die beiden Probleme oben suchen, gerne mit Crowdsourcing Anbietern in Verbindung setzen. Und einige dieser können wirklich auch bei dem zweiten Problem weiterhelfen.

Crowdsourcing hilft beim Dating

Das Wissen all Deiner Freunde und Bekannten kann Dir vielleicht auch beim Dating helfen.

Crowdpilot ist eine App für iOS, welche Dir während des Dating erlaubt, Tipps von Deinen Freunden einzuholen.

Hoffentlich stört die wohl erzogenen Person gegenüber eine übermäßige Handynutzung nicht.

crowdpilot from Lauren McCarthy on Vimeo.

Produktivitätszuwachs durch Facebook Ausfall, oder gleich Crowdsourcing?

Das seit 1845 unabhängige, schnelle und ehrliche sowie satirische Onlinemagazin “Der Postillon” berichtet von einem Produktivitätszuwachs von 90% nach einem Facebook Ausfall [Artikel].

Was hier nur ein Spaß ist, ist im Crowdsourcing bitterer Ernst. Eine Bezahlung pro Ergebnis, ungleich der pro-Stunden Bezahlung innerhalb eines Unternehmens, macht das Verweilen auf Facebook zu einem unbezahlten Urlaub. So zahlen Unternehmen, welche einen Crowdsourcing Dienstleister beauftragen keinen Cent für die verbrachte Zeit auf Facebook, anderen sozialen Medien, oder gar dem Postillon.

Der Postillon

 

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Was muss ein Crowdsourcing Dienstleister können?

Die Qual der Wahl.

Viele Crowdsourcing Dienstleister in den USA greifen auf eine einzige Crowd zurück. Diese Crowd wird von Amazon Mechanical Turk (MTurk) betreut. Einige Dienstleister nutzen auch teilweise Infrastrukturen (Payment, Task/Job Verteilung) von MTurk als Grundgerüst.

 

Scientific American

Mechanical Turk from the 18th century

In Europa haben die meisten Crowdsourcing Anbieter eigene Crowds und eigene Infrastrukturen. Ein möglicher Grund: wenig Plattformen stellen eine Bandbreite an möglichen Einsatzgebieten wie MTurk zur Verfügung, was für geringere Anforderungen an die Infrastruktur sorgt.

Was sollte ein Crowdsourcing Anbieter idealerweise bieten, um Qualität und Geschwindigkeit zu gewährleisten?

Qualität

Um qualitativ hochwertige Ergebnisse erzielen zu können, sollte folgendes gegeben sein:

  • qualifizierte Crowd
  • Anreizmechanismen (Äquivalent zur Mitarbeitermotivation)
  • Verifikationsschleifen (automatische Überprüfung durch weiteres/weitere Augenpaar/e)
  • gezielte Vergabe der Jobs an geeignete Crowd Mitglieder

Geschwindigkeit

Um schnelle Bearbeitungszeiten zu gewährleisten (Qualität wird konstant gehalten), sollte folgendes gegeben sein:

  • hohe Anzahl aktiver Crowd Mitglieder
  • geringe zeitliche Grenzkosten zur Beauftragung
  • Briefing Hilfen, um möglichst viele Eventualitäten (wenn, dann) abzudecken
  • flexibles Vergütungsmodell für Arbeiter, um bei hoher Auftragslage, Geschwindigkeit beizubehalten

Bei der nächsten Beauftragung sollten diese Punkte berücksichtigt werden.

Haben wir etwas vergessen?

Wann lohnt sich Crowdsourcing für Unternehmen?

Einige Stimmen lassen verlauten, dass Crowdsourcing für kompetitive und innovative Unternehmen und deren Management eine immer wichtigere Rolle spielt.

Die zunehmende Anzahl an Crowdsourcingprojekten sowie die Aufmerksamkeit aus Wissenschaft und Wirtschaft scheinen diese Stimmen zu bestärken. Doch wann lohnt sich Crowdsourcing und wie stelle ich fest, ob Crowdsourcing der richtige Ansatz für meine Projekte oder Strukturen ist?

Wir vergleichen im folgenden eine interne Lösung mit einer Crowdsourcinglösung. Um den Fall einer Deadline zu berücksichtigen gehen wir davon aus, dass Unternehmen schnell und nahezu unbegrenzt interne Belegschaft skalieren können. Sollte diese Annahme nicht akzeptiert werden und Geschwindigkeit der Fertigstellung gefragt ist, sollte sich für einen Crowdsourcing Dienstleister entschieden werden, weil das Unternehmen das Ziel aus eigener Kraft nicht erreichen kann.

Um gewisse Eigenschaften des Beauftragens eines Crowdsourcing Dienstleisters zu verdeutlichen machen wir einige Annahmen:

  1. Die Ergebnisqualität ist bei Abschluss des Projekts identisch bei beiden Lösungen. Mögliche Diskrepanzen werden durch mehr investierte Zeit ins Qualitätsmanagement berücksichtigt.
  2. Zeit und IT Infrastruktur sind die einzigen Kosten. Arbeitskraft und IT Infrastruktur gilt hier also nicht als “sunk cost”, Miete, Abschreibungen etc. werden als “sunk cost” betrachtet. Wir halten dies für angemessen, weil Opportunitätskosten, also was ich machen könnte, wenn ich nicht einen Blogpost schreiben würde, finanziellen Gegenwert haben und zusätzliche Computer pro weiterem Arbeiter beschafft werden müssen. Raum kann in der Regel in bestehenden Strukturen geschaffen werden (mehr Leute pro Tisch ist möglich, mehr Leute pro PC ist schon schwieriger). Bei sehr großen Projekten und einer halbwegs effizienten Büroflächenauslastung wird auch Miete zu einem Kostenpunkt.
  3. Diskrepanzen im Stundenlohn interner und externen Mitarbeiter wird durch weniger/mehr benötigte Zeit reflektiert (Personalnebenkosten, bezahlter Urlaub, bezahlte Mittagspause, Zusatzleistungen (kostenfreier Kaffee und Getränke, Betriebsfeiern, Betreuung durch HR (Willkommensmappen), Teppichabnutzung)

Kosten Crowdsourcing

  1. Briefingerstellung [Bc]
  2. Qualitätskontrolle [Qc]
  3. Korrespondenz mit Dienstleister [Kc]
  4. Arbeitszeit für Erledigung [Xc]

Die Kostenfunktion für die Crowdsourcinglösung ist also: Cc(Bc,Qc,Kc,Xc)

Kosten intern

  1. Briefingerstellung [Bi]
  2. Qualitätskontrolle [Qi]
  3. Arbeitszeit für Erledigung [Xi]
  4. IT Infrastruktur [ITi]
  5. Anwerbung und Selektion (Kapazitäts- und Kompetenzgrenze) [Ri]
  6. Training (Kompetenzgrenze) [Ti]

Die Kostenfunktion für die interne Lösung ist:  Ci(Bi,Qi,Xi,ITi,Ri,Ti)

Die Kostenfunktion ist für beide Lösungen:

  • identisch (Ci=Cc), da Zeit die einzige Währung ist
  • strikt monoton, da Opportunitätskosten berücksichtigt werden (selbst ein Praktikant, der sowieso bezahlt wird, könnte etwas anderes machen)
  • und wahrscheinlich annähernd linear (Rekrutierung wird effizienter vs. Kandidaten werden gefragter)

Also gilt es Bc,Qc,Kc,Xc mit  Bi,Qi,Xi,ITi,Ri,Ti zu vergleichen.

Briefing:

Bc=aBi  ; Das Briefing für ein Crowdsourcing Projekt muss mehr Eventualitäten abdecken als für ein internes Projekt. Deshalb ist a>1.

Qc=Qi Entgegen vieler Annahmen produzieren Crowds nicht zwangsläufig schlechtere Resultate als interne Kräfte. Anreizmechanismen können ausgeklügelter sein und haben weniger Beeinträchtigung durch Sympathien, Vetternwirtschaft o.ä. im gängigen Büroumfeld.

xc=bxi  ; Sicherlich alle Crowdsourcing Provider haben trainierte und spezialisierte Crowdmitglieder. Diese arbeiten auf ähnlichen Projekten unterschiedlicher Kunden und haben somit einen hohen Spezialisierungsgrad. Außerdem wird im Crowdsourcing zumeist “per Output” bezahlt, was laut Lazear zu einer höheren Produktivität (44%) führt als eine “per Stunden” Bezahlung. Deshalb ist 0<b<1.

Kc=m(ITi+Ri+Ti)   ;  Wahrscheinlich ist es realistisch davon auszugehen, dass die Kommunikation mit einem Crowdsourcingdienstleister, selbst einem wenig kommunikativen und wenig erfahrenen, weniger Ressourcen benötigt als IT Infrastruktur, Rekrutierung und Training zusammen. Rekrutierung von Arbeitskräften ist teuer. Die Rekrutierung von qualifizierten Arbeitskräften ist teurer, reduziert aber den Trainingsaufwand. Sollten keine qualifizierten Kräfte benötigt werden, sollte das Training nicht notwendig sein und man könnte sich nach einer Computerlösung umsehen, wenn der Bedarf groß genug ist. Wir glauben aber 0<m<1.

Vorweg: Wenn diese Annahmen akzeptiert werden, dann ist die Beauftragung eines Crowdsourcingdienstleisters günstiger in Zeiteinheiten und somit auch in absoluten Kosten.

Beweis:

Also, um zu vergleichen, setzen wir gleich:

Bc+Qc+Kc+X= Bi+Qi+Xi+ITi+Ri+Ti

Substituieren gemäß der Prämissen oben

 aBi+Qi+bXi+m(ITi+Ri+Ti)=Bi+Qi+Xi+ITi+Ri+Ti

Also nach Umformen:

 (a-1)Bi+(b-1)Xi+(m-1)(ITi+Ri+Ti)=0

Da 0<b<1, 0<m<1 und a>1 und die Annahme, dass | a-1|<|b-1+m-1| (Der höherer Aufwand für das Briefing ist geringer als die Zeiteinsparung durch spezialisierte und günstigere Kräfte und IT, Rekrutierung und Training zusammen) durchaus realistisch ist und alle Zeit-Variablen stets positiv und für gängige Projekte größer null:

 (a-1)Bi+(b-1)Xi+(m-1)(ITi+Ri+Ti)<0

Also ist die interne Lösung “teurer”, wenn man die oben genannten Annahmen trifft.

 

Kann Crowdsourcing dem Bildungssystem helfen?

McKinsey hat Meinungen zum beruflichen Bildungsstand junger Arbeitnehmern zusammen getragen (Education to Employment: Getting Europe’s Youth into Work). Drei Parteien – Unternehmen, junge Menschen und Bildungseinrichtungen wurden befragt. Wir fragen uns, ob Crowdsourcing ein Teil der Lösung sein könnte.

Die Studie

1. Unternehmen

Jeder vierte Arbeitgeber (26%) klagt über die mangehafte berufliche Qualifikation des Nachwuchs. Geklagt werden hauptsächlich über die fehlende praktische Erfahrung und nicht ausreichendes Problemlösungsverhalten.

2. Junge Menschen

Zwei Drittel (64%) der jungen Menschen hätten laut eigener Angaben auf Basis unzureichender Informationen eine Karriereentscheidung getroffen. Eine Mitarbeiterin der Unternehmensberatung führt dies auf den Mangel der Informationen zurück, vielmehr als auf unüberlegtes Handeln der jungen Menschen.
Unser aktuelles System der Berufsinformation und -beratung garantiert nicht, dass junge Menschen die Ausbildung wählen, die tatsächlich die beste für sie ist.

3. Bildungseinrichtungen

Bildungseinrichtungen sehen die Lage wohl etwas optimistischer. 83% der befragten Einrichtungen beurteilen die jungen Menschen, welche die eigene Einrichtung verlassen, als vorbereitet. Unter den Arbeitgebern sehen dies nur 43% so. Diese Diskrepanz sei in allen Ländern existent, in Deutschland aber am gravierendsten.

Ist die Bologna Reform schuld?

Durch ein verstärkt verschultes Bildungssystem (Bologna) hat sich die Regelstudienzeit für die meisten Abschlüsse verkürzt. Im Vergleich zum Diplom und Magister studiert man nur noch 3 anstatt 4 Jahre. Die um 25% reduzierte Studienzeit wird, vermeintlich, durch ein stringenteres und dichteres Programm an den Hochschulen kompensiert. Diese Kompensation erstreckt sich wohl maßgeblich über die inhaltliche und methodische Ausbildung junger Menschen, wahrscheinlich aber nicht über die charakterliche.

Bleibt also weniger Zeit für das Sammeln praktischer Erfahrungen auf Grund des volleren Vorlesungs- und Seminarplans? Oder ist es die fachliche Ausbildung an den Hochschulen, welche für diesen möglichen Misstand sorgt?

Kann Crowdsourcing ein Teil der Lösung sein?

Crowdsourcing kann nicht wesentlich zur charakterlichen Entwicklung beitragen. Crowdsourcing kann auch nicht Hochschulen bei der inhaltlichen Fortbildung junger Menschen helfen. Crowdsourcing ist aber flexibel und schreibt keine Arbeitszeiten vor, weshalb es auch mit einem vollen Vorlesungsplan kompatibel ist.

Somit kann Crowdsourcing , wenn die zu erledigenden Aufgaben nicht gänzlich aus dem Kontext des Projektes gelöst wurden, Studenten die Möglichkeit bieten, eigenen Fähigkeiten zu entdecken, zu entwickeln oder zu lernen, die eigenen Fähigkeiten realistischer einzuschätzen. Insbesondere Sorgfalt, Leseverständnis und selbstständiges Arbeiten können gefordert und gefördert werden. Gängige Crowdsourcing Plattformen bieten wenig bis zu keiner Betreuung während der Bearbeitung der Jobs an, sodass Crowdworker auf sich selbst gestellt sind.

Da soziale Konsequenzen durch Gamification oder Social Media Sharing lediglich imitiert werden, kommen auch intrinsische Faktoren stärker zum Vorschein – etwas, das Unternehmen mit weniger ausgeklügelten Motivationsprogrammen durchaus interessant finden könnten.

Praktika und auch Pflichtpraktika sind wahrscheinlich unersetzlich, da diese der Situation am Arbeitsplatz am ähnlichsten sind. In Zeiten verschulter Studiengänge können diese aber zu kurz kommen und in Zeiten steigender Unterhaltskosten im Falle eines unbezahlten Praktikums sogar zum Luxus werden.

Crowdsourcing ist also kein Ersatz für die praktische Erfahrung vor Ort, kann aber ein Weg sein:

  1. flexibel Geld zu verdienen neben dem straffen Studium
  2. eigene Fähigkeiten zu entwickeln/entdecken/realistisch einschätzen zu lernen
  3. nachweisliche, meist quantifizierbare, Berufserfahrung zu sammeln (und Jugendarbeitslosigkeit zu entkommen?)
  4. intrinsische Motivation zu beweisen

Das kommt dem Lösungsansatz der Unternehmensberatung doch fast schon nahe:

Maßnahmen, die es mehr jungen Menschen ermöglichen, ihre Ausbildung zu finanzieren, zeitlich flexibler zu gestalten oder inhaltlich zu modularisieren.

 

Studenten Nebenjob mit Mehrwert für den Lebenslauf

Pflichtpraktikum und Vorlesung inkompatibel? (c)Sean MacEntee – flickr.com

Ergänzung (23.01.2014)

Anscheinend gehen die Wahrnehmungen von Fähigkeiten schon in der Schule auseinander. Divergenzen in der Wahrnehmung von Fähigkeiten und Selbstschutzmechanismen beschrieben von einer Lehrkraft (Artikel).

Weitere Gedanken:

Interessant wäre ein Vergleich der Arbeitgeberzufriedenheit mit jungen Berufsanfängern vor und nach der Umstellung des Hochschulwesens in Europa. Ist es den Hochschulen wirklich gelungen, die verkürzte Studienzeit durch einen dichteren Lehrplan auszugleichen und das gleiche Maß an inhaltlichem und methodischem Wissen zu vermitteln?

Ob Bildungseinrichtungen lediglich, hauptsächlich oder in geringem Maße dazu dienen junge Menschen auf das Berufsleben vorzubereiten ist eine Diskussion, die wir hier nicht los treten wollen.

 

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